Die Weiterverbreitung: Warum? Wie?

Warum beginnt eine Art, die in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet eigentlich kein „Belagerungsverhalten“ zeigt, in ihrer neuen Heimat regelrecht zu wuchern? Ist dieses Phänomen mit den arttypischen Merkmalen der Pflanze oder mit den besonderen Bedingungen ihres neuen Umfelds verbunden? Anhand zahlreicher Forschungen, die von den Wissenschaftlern zu diesen Fragen durchgeführt wurden, konnte nachgewiesen werden, dass die Invasion in den meisten Fällen das Ergebnis eines „Wettbewerbs der Umstände“ ist, bei dem sich einige Fähigkeiten der Pflanze, wie z. B. die stark ausgeprägte Fähigkeit zur vegetativen (durch Stecklinge*, Absenker* oder Wurzelsprossen*) und/oder geschlechtlichen (durch Samen) Vermehrung, in einem günstigen Umfeld, hier in der neuen Heimat, in dem natürliche Feinde fehlen oder wo es Gebiete gibt, die aufgrund menschlicher Tätigkeit leicht zu kolonisieren sind (Böden ohne Bewirtschaftung und umgestaltetes Land, Brachen, Ackerland, Böschungen von Wasserläufen…), die Primärinfektionsherde darstellen, in besonderem Maße entwickeln können. Der Einwanderungsdruck und die Nähe von Verkehrswegen (Kanäle, Autobahnen, Bahnstrecken), die die Verbreitung erleichtern, sind ebenfalls für den Erfolg einer Einwanderung entscheidend.


Aufgrund dieser Interaktion der zahlreichen beteiligten biologischen und ökologischen Faktoren ist es sehr schwierig, frühzeitig zu bestimmen, welche der vielen eingeführten Pflanzenarten sich zu einer invasiven exotischen Pflanze entwickeln wird. Zusätzlich erschwerend ist, dass die Invasion sehr langsam beginnt - die Pflanze kann mehrere Jahrzehnte unbemerkt bleiben - bevor es zu einem Populationsanstieg kommt, der in eine extrem schnelle Expansionsphase übergeben kann. In diesem Stadium manifestieren sich dann auch alle negativen Begleiterscheinungen dieser invasiven exotischen Pflanze, und ihre Bekämpfung wird sehr viel schwieriger!